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Geistlicher Impuls zu Ostern, 12. April 2020

Dietrich Bonhoeffer, Ostern 2020

© epd-bild / Daniel Sambraus

Vor fast genau 75 Jahren, am 9. April 1945, wurde Dietrich Bonhoeffer zusammen mit anderen Widerstandskämpfern im KZ Flossenbürg hingerichtet. Aus der Haft war es ihm immer wieder gelungen, Texte hinauszuschmuggeln, die auch heute vielen Christinnen und Christen Hoffnung geben: „Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag.“

 

Seine persönliche Lage und die katastrophale Weltsituation lassen ihn auch die Auferstehung Jesu neu verstehen. Ostern geht es nicht um irgendetwas nach dem Tod in irgendeiner Ewigkeit. Es geht um den Blick auf unser Leben hier und jetzt. Es geht darum diese Welt genau anzusehen und klar und deutlich zu erkennen und zu benennen, wo Mächte des Lebens und wo Mächte des Todes am Werk sind.

 

Er schreibt: „Mein Verhältnis zum Tod hat sich entscheidend geändert. Das ist es, was mit Auferstehung gemeint ist. Nicht länger das wird mich vorrangig beschäftigen, dass Menschen sterben. Sondern die Frage, wie sie es tun. Und wann. Und warum. Und unter welchen Umständen. Und warum sie heute noch immer unter diesen Umständen sterben.“

 

Ostern schafft den Tod und das Sterben nicht aus der Welt. Aber Ostern vertröstet auch nicht auf ein Leben nach dem Tod. Ostern lenkt den Blick auf unsere Welt. Und wenn ich die Worte Bonhoeffers auf heute beziehe, dann fragt er im Hinblick auf das Sterben in Coronazeiten: Wie kann es sein, dass in hochentwickelten Ländern nicht genügend Beatmungsgeräte oder Schutzmasken vorhanden sind? Müssen Bezahlung und Arbeitsbedingungen von Pflegekräften so sein, dass sich nicht genügend Menschen für diese Berufe finden? Gibt es wirklich keine Möglichkeit, das einsame Sterben in den Kliniken zu verhindern? Und noch viel drängender würde er fragen: Wie kann es sein, dass in den USA etwa zwei Drittel der COVID-19-Toten Schwarze sind? Was gedenken wir zu tun, wenn das Virus in Flüchtlingslagern und Favelas wütet? Und die Liste der Fragen ließe sich beliebig fortsetzen.

 

Es gibt den Tod vor dem Sterben – mitten im Leben: wenn alle lebendige Hoffnung abgebrochen ist, wenn Zerstörung, Gewalt und andere kalte Mächte bestimmen. Und es gibt Leben mitten im Tod: da, wo Neues erblüht, wo Ideen, Hoffnungen, Träume geboren werden.

 

Darum geht es an Ostern – sagt Bonhoeffer – mit Worten des Apostel Paulus: „Siehe, das Alte ist vergangen! Neues ist geworden! Tod, wo ist dein Stachel? Hölle, wo ist dein Sieg?“

 

Leben macht Sinn! Glauben, Hoffen, Lieben macht Sinn. Ja, es gibt ihn noch, den Tod – aber er ist kein Argument gegen das Leben – gegen den Sinn jedes einzelnen Menschenlebens.
Und auch kein Argument gegen die Liebe – die nicht müde wird auf der Suche nach dem kleinen Liebenswerten.

 

Und auch nicht gegen die Hoffnung! Es stimmt: die Welt ist noch lange nicht so, wie Gott sie gewollt hat – aber wir können eine Menge tun, um diese Welt gerechter, friedlicher und schöner zu machen. Das, meint Bonhoeffer, ist der Kern des christlichen Glaubens.

 

Gesegnete Ostern wünscht Ihnen
Pfarrer Thorsten Diesing


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