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Predigt zu Christi Himmelfahrt 2020 über Joh 17,20-26

Der Friede Jesu Christi und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen!

 

Liebe Gemeinde,

Blicken Sie auch in diesen Tagen manchmal sehnsüchtig in den Himmel, in das wunderbare Blau, in eine unglaubliche Unendlichkeit. Die Seele baumelt und vergisst die Krise für einen Moment, die Wolken ziehen, Entschleunigung setzt ein. Angesichts dieser Größe kann doch unser Kummer so groß nicht sein. Welch eine weltumspannende Weite... Hier muss der Ort sein, an dem Gott wohnt, so haben die Menschen früherer Zeiten gedacht. Hier muss Gottes Thron stehen.

So konkret physisch stellen wir uns das in heutiger Zeit nicht mehr vor, dass dort irgendwo im Weltall ein Thron steht, von Engeln umgeben, auf dem Gott sitzt und zu dem Jesus durch die Wolken hindurch aufsteigt.

 

Geblieben ist uns Heutigen aber der Himmel als Ort der Nähe Gottes und als Sehnsuchtsort. Theologisch verstehen wir den Himmel als das Himmelreich Gottes, wo alles irdische Leid vergessen ist und endlich Friede herrscht, ein Ort, an dem wir unsere Toten geborgen wissen. Dafür ist uns der physische Himmel ein Symbol geblieben.

So wie schon im Buch der Offenbarung der Seher Johannes auf der Insel Patmos aus Verfolgung und Not hoch in den Himmel schaut und von dort her voll Sehnsucht die Wiederkehr Christi erwartet.

Auch wir Menschen des 21. Jahrhunderts blicken so manches Mal mit ähnlicher Sehnsucht hoch in den Himmel und beginnen zu träumen, haben unsere eigenen Visionen vom Himmel auf Erden und schicken manches Stoßgebet in den Himmel: O Heiland, reiß die Himmel auf, uns zu erlösen aus Zweifel und Fragen, aus Wut und Streit, aus Trauer und aus Not, von den Lasten unserer Seele.

 

Christ Himmelfahrt: Ich schaue ihm nach, hoch in den Himmel, in Gottes Reich und denke: Ach, wäre das schön, wenn dein Wille, Herr, schon überall geschähe wie im Himmel so auf Erden. Wenn doch alle eins und einig wären auf Erden, wenn alle Konflikte mit einem Federstrich aus der Welt wären und alle Erdbewohner sachlich und vernünftig zum bestmöglichen Interessenausgleich kämen. Wenn alle Güter gerecht verteilt wären und jeder seinen Nächsten und Fernsten lieben könnte wie sich selbst. Vielleicht, wenn nur eine einzige Generation es vollbringen würde, ihre Kinder wohlbehalten in Liebe und Gerechtigkeit und ohne Hass und Feindbilder aufzuziehen - vielleicht wäre dann schon Frieden auf Erden?

Dann würde den Menschen in diesem neuen Zeitalter ein kalter Schauer über den Rücken laufen, wenn sie dann zurückdächten an das finstere 21. Jahrhundert, wo Menschen noch wie in der Steinzeit - nur mit modernen Waffen - andere Menschen töteten, um ihre Interessen durchzusetzen, wo sie noch Bomben auf Krankenhäuser und Schulen warfen. Das finstere 21. Jahrhundert, wo Kinder noch verhungern mussten, wo Tiere gequält wurden und dem Ökosystem unserer Schöpfung schwerste Schäden zugefügt wurden. „Was für eine furchtbare Zeit das damals war“, wird man dann zueinander sagen und den Kopf schütteln, „so soll es doch um Gottes Willen nie wieder werden auf der Erde“.

 

Jesus Christus fährt auf gen Himmel und lässt uns zurück, voller Sehnsucht nach seinem Reich des Friedens, das er uns doch versprochen, voller Sehnsucht nach der Herrlichkeit Gottes, die uns Ruhe für unsere aufgebrachten Seelen verspricht; voller Sehnsucht nach Sicherheit, wo uns inmitten der Krise der Boden unter den Füßen schwankt.

 

Verwirrt und fragend stehen wir an der Seite der Jünger und schauen ihm nach, wie er vor uns in die Wolken entschwindet. Schauen ihm nach aus unserer unerlösten Welt, aus einer Schöpfung die seufzt. Er ist weg, nimmt einfach Abschied, vertraut uns das alles an, als wäre es ein Kinderspiel und nicht nur eine schöne, aber doch ferne Vision, dieser Himmel auf Erden. 

Wo gehst du hin, Herr? Bleibe bei uns Herr, denn es will Abend werden. Das können wir allein doch niemals schaffen!

 

Aber Jesu Zeit ist gekommen. Er hat uns den Himmel beschrieben und vermacht. Doch noch einmal dreht er sich um. Er sieht die Not seiner Jünger und unsere Not in dieser Welt. Voll Sorge schaut er die an, die Gott ihm anvertraut hat. Und er beginnt zu beten, für sie und ihre Zukunft und für alle, die nach ihnen kommen werden.

 

Hören wir dieses Gebet Jesu, den Predigttext zu Christi Himmelfahrt:

 

Jesus Christus nimmt Abschied von seinen Jüngern und betet zu Gott

Joh 17,20-26

20 Ich bitte aber nicht allein für sie, sondern auch für die, die durch ihr Wort an mich glauben werden, 21 dass sie alle eins seien. Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir, so sollen auch sie in uns sein, auf dass die Welt glaube, dass du mich gesandt hast. 22 Und ich habe ihnen die Herrlichkeit gegeben, die du mir gegeben hast, auf dass sie eins seien, wie wir eins sind, 23 ich in ihnen und du in mir, auf dass sie vollkommen eins seien und die Welt erkenne, dass du mich gesandt hast und sie liebst, wie du mich liebst. 24 Vater, ich will, dass, wo ich bin, auch die bei mir seien, die du mir gegeben hast, damit sie meine Herrlichkeit sehen, die du mir gegeben hast; denn du hast mich geliebt, ehe die Welt gegründet war. 25 Gerechter Vater, die Welt kennt dich nicht; ich aber kenne dich, und diese haben erkannt, dass du mich gesandt hast. 26 Und ich habe ihnen deinen Namen kundgetan und werde ihn kundtun, damit die Liebe, mit der du mich liebst, in ihnen sei und ich in ihnen.

 

Liebe Gemeinde,

liebevoll und segnend wendet sich Jesus zum Schluss noch einmal denen zu, die er in Trauer und voll Sorge über die Zukunft zurücklässt. Haltet zueinander, seid füreinander da! So wie er am Kreuz hängend seine Mutter dem Lieblingsjünger und den Lieblingsjünger seiner Mutter anvertraut hat.

 

Nun liegt es an euch, sagt er, dass meine Worte und Taten gute Frucht bringen zum Zeugnis für diese Welt. Ihr seid nicht allein, was immer auch kommen mag. Dieses Versprechen gebe ich euch zum Abschied. Mein Gebet begleitet euch und der Heilige Geist sei euch Stärkung für diesen Weg ins Ungewisse und ein Zeichen, dass ich da bin für euch. Ich traue es euch zu: Ihr könnt mir nachfolgen, ihr könnt glaubwürdige Zeugen sein.

Den Namen Gottes habe ich euch kundgetan und die Herrlichkeit Gottes habe ich euch gezeigt. Nun sollt ihr ein Segen für diese Erde sein, auf dass die Liebe des Vaters, die ich gepredigt und gelebt habe, weiterlebe in euch und in allen, die nach euch kommen. -

 

Aus diesem Vermächtnis und Erbe Jesu leben wir bis heute.

In seinem Abschied gibt er uns die Kraft auch in Zeiten der Krise ihm nach in den Himmel zu schauen und zu träumen von einer besseren Welt und zu beten, wie er es zum Abschied getan hat:

 

Frieden gabst du schon, Gott, aber Frieden muss noch werden. Mache uns zu einem Werkzeug deines Friedens. Um so viele Menschen in Not haben wir uns in deinem Namen schon gekümmert, aber es warten noch mehr, darum schenk uns die Kraft, sie zu sehen und für sie da zu sein. Manchmal haben wir Christinnen und Christen vereint mit einer Stimme gesprochen als glaubwürdiges Zeichen für unsere Welt und manches Mal haben wir uns auch in kleinlichen Streitereien verloren. Lass uns vereint deinen herrlichen Namen preisen, Gott, und darüber unseren Streit vergessen. Lass uns immer wieder deine himmlische Herrlichkeit schauen, dass wir den Mut nicht sinken lassen, bis dass du kommst in Ewigkeit.

Amen.


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