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Geistlicher Impuls für Sonntag, 7. Juni 2020 - Trinitatis

„Meinen Segen hast du!“ Ein Satz, den wir auch heute noch gelegentlich hören können. Auch wenn er seltener geworden ist. Früher war er wichtig. Man brauchte ihn als Erlaubnis. Es waren meist die Eltern, vor allem der Vater, von dem man den Segen erbat, vielleicht: erbitten musste. Bei der Wahl des Partners, des Berufs oder einer anderen wichtigen Lebensentscheidung.

Das ist heute anders. Aber auch heute wünschen wir uns, dass Freunde und andere liebe Menschen unsere Entscheidung richtig und gut finden. Wir wünschen uns, dass sie uns bestärken in Situationen, wo wir unsicher werden, wo wir nicht wissen, ob unser Weg wirklich der richtige ist.

„Meinen Segen hast du!“ Mit diesem Zuspruch können wir uns dann ganz anders in die neue Situation wagen: beruhigt und gestärkt, weil wir wissen, dass da jemand bei uns ist – uns nahe bleibt. Einer, der sagt: „Ich halte zu dir, ganz egal, was auf dich zukommt.“

„Meinen Segen hast Du!“ Daraus wachsen Zuversicht und Vertrauen in den eigenen Weg, in die eigenen Entscheidungen. Auch wenn ich dann für das, was ich tue allein geradestehen muss: ich brauche trotzdem diesen Rückhalt, diesen Segen.

 

Aber was ist das eigentlich? Segen?

Eltern und Paten bringen ihre kleinen Kinder zur Taufe und bitten damit um Gottes Segen für ihr weiteres Leben; junge Paare bitten bei der Trauung um Gottes Segen für ihre Partnerschaft; und am Ende jedes Gottesdienstes erbitten wir als Gemeinde den Segen Gottes.

 

Was tun wir da?

Wünschen wir, mit dem Segen das Böse abzuwenden, das wir auf unbekannten Wegen fürchten? Oder ist der Segen nur eine leere Formel? Ein frommer Wunsch am Ende des Gottes­dienstes?

Ein Zauberspruch ist er ja nicht. Gottes Segen bewahrt getaufte Kinder nicht vor Unfällen, Krankheiten und schlechten Schulnoten. Ehekrisen und Scheidungen sind auch nach kirchlicher Trauung nicht ausgeschlossen.

Und doch: Ohne Segen wollen wir nicht leben. Ohne es ganz genau zu wissen wie, wissen wir doch, dass Segen mit Glück und Gelingen zusammenhängt.

 

Ein Text aus dem Alten Testament, aus dem sechsten Kapitel des 4. Buch Mose ist eine gute Möglichkeit, diesem verlorengegangenen Wissen auf die Spur zu kommen. Es ist der sogenannte „aaronitische Segen“, wie wir ihn am Ende fast jeden Gottesdienstes hören. „Aaronitisch“, weil er auf Aaron, den Bruder Mose zurückgeht:

 

Und Gott redete mit Mose und sprach: Sage Aaron und seinen Söhnen und sprich:

So sollt ihr sagen zu den Israeliten, wenn ihr sie segnet:

„Gott segne dich und behüte dich;

Gott lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig;

Gott erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden.“

 

Mich berührt dabei das Bild, das dieser Segen dafür verwendet, dass Gott uns ganz nahe ist und uns begleitet: das Angesicht Gottes.

Ich finde, hier segnet unser aller Vater ganz mütterlich. Für mich wird hier eine menschliche Basiserfahrung ausgemalt:

 

Eine Mutter nimmt ihr Kind, ihren Säugling in den Arm, legt ihn an ihre Brust. Sie wärmt und nährt das Kind und schützt es vor Gefahren. Ihr Kind kann sicher sein, dass sein Leben nicht bedroht ist. Es hat Wärme und Nahrung: alles, was es braucht.

Ohne diesen grundsätzlichen Schutz wären wir hilflos. Alleingelassen wie ein kleines Kind. Im Vertrauen darauf, dass Gott unser Leben gewollt hat, heißt es: „Gott segne dich und behüte dich.“

 

Die Mutter schaut das Kind in ihren Armen mit freundlichen Augen an. Anders ausgedrückt: sie strahlt ihr Kind an. Und das Kind begegnet diesem Blick. Ein Leuchten geht über das kleine Gesichtchen. Jetzt weiß es: ‘Ich werde beachtet und geliebt.’ Es fühlt sich angenommen.

So hat auch Gott uns angeschaut: geliebt, bevor wir das richtig begreifen konnten. Die Taufe drückt das aus: Gott hat uns angenommen. Wir sind seine Kinder geworden.

Das verbinde ich mit dem Zuspruch: „Gott lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.“

 

Die Mutter blickt das Kind in ihren Armen an, beugt sich nun über ihr Kind und küsst es. Sie sagt: „Ich bin bei dir! Alles ist gut! Du kannst in meinen Armen einschlafen.“

Wenn das Kind so die Liebe der Mutter spürt, dann wird es später auch ohne sie die Welt entdecken können, neugierig und offen. Dann wird es sich freuen, wenn es anderen begegnet.

Wenn uns Gott so begleitet, dann können wir der unsicheren Zukunft zuversichtlich ins Auge schauen. Dann können wir auch Unsicherheiten und Ängsten zuversichtlich begegnen.

Das ist das, was wir bei der Taufe für unsere Kinder erbitten, diese Zusage wünschen sich Eheleute bei ihrer Trauung und dies wird uns am Ende des Gottesdienstes gesagt mit den Worten: „Gott erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden.“

 

So ist der Segen kein Zauberspruch aber auch keine leere Formel. Der Segen schenkt dem Menschen ein grundsätzliches Vertrauen in Gott und das Leben. So unerschütterlich, wie das Vertrauen zwischen Eltern und Kind. Und das wird – da können wir sicher sein – nicht ohne Spuren bleiben.

 

Mit dieser Gewissheit können wir in die Zukunft gehen: Sein Angesicht wird über uns leuchten, und wir werden diesen Glanz widerspiegeln.

„Meinen Segen hast du!“ sagt Gott. Und das mit diesen wunderschönen, wärmenden Worten:

„Gott segne dich und behüte dich; Er lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig; Er erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden.“


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