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Geistlicher Impuls für den 5. Sonntag der Passionszeit, Judika, 29. März 2020

Geistlicher Impuls in der Corona-Passionszeit

Da sind wir nun, mitten in der Passionszeit. Normalerweise die Wochen im Jahr, wo wir uns an das Leiden Jesu, seine Passion, erinnern. Aber was ist in diesen Wochen schon normal?

Da sind wir nun, mitten in der eigenen Leidenszeit. Viele Menschen sitzen zu Hause mit der Sorge, sie oder nahe Verwandte, insbesondere ältere könnten sich mit „Corona“ infizieren. Eine Leidenszeit, die mit vielen Einschränkungen verbunden ist, im besten Fall noch mit Home-Office, ansonsten mit Einkommensausfällen, mit Spannungen zuhause, wo auf einmal viele über längere Zeit auf engem Raum zusammen leben oder umgekehrt einsam daheim bleiben müssen, denen der Kontakt zu ihren Mitmenschen fehlt.

Da sind wir nun, mitten in der Leidenszeit. Wir betrauern die Toten. Diejenigen, die an COVID-19 erkrankt und gestorben sind, und jene, die wie jedes Jahr an der Grippe und anderen Krankheiten, an Altersschwäche oder bei Unfällen aus dem Leben geschieden sind. Wir beklagen weiterhin die unzähligen Toten, die in den Kriegen dieser Welt ums Leben kommen, Soldaten und insbesondere auch die zivilen Opfer.

Da sind wir nun, mitten in der Leidenszeit Jesu. Ist er uns in diesen Wochen näher als sonst? Er, der die Menschen aufrichtete, geht in die Knie unter der Last des Kreuzes. Er, in dem die Menschen ihren Retter und Erlöser gesehen haben, stirbt vor ihren Augen. Er kennt unsere Not, weil er sie selbst erlitten hat. Doch das ist nicht das Ende.

Da sind wir nun, mitten in der Freudenzeit. Denn wir vertrauen auf Jesus, der uns deutlich macht, wie alles zusammenhängt: So wie ein Samenkorn in der Erde begraben werden und sterben muss, um zu neuem Leben zu erwachen; wie Brot gegessen werden muss, um neue Kraft zu geben, und Wein getrunken, um Freude zu verbreiten, so musste Christus sterben, um auferstehen zu können.

Da sind wir nun, mitten in der Freudenzeit. Wir vertrauen darauf, dass der Tod nicht das Ende ist. Wir trauern auf Zeit, weil wir gewiss sind, dass nach dem Regen Sonnenschein, nach dem Winter wieder Frühling, nach dem Tod das ewige Leben kommt. Alle Tränen werden dann abgewischt und niemand muss mehr weinen. Die Trauer wird einer Freude weichen, die endlos ist. Und Gott selbst wird uns trösten.

Da sind wir nun, mitten in der Leidens-und-Freudenzeit. Wir bleiben in Sorge umeinander zu Hause und lernen neue Achtsamkeit füreinander. Wir leben Gemeinde und Gemeinschaft am Telefon und per eMail, bei Fernseh- und Online-Andachten. Und wir erleben, wie stark wir trotz aller Einschränkungen im Gebet verbunden bleiben, weltweit. Dabei tragen wir schon im Leiden die Vorfreude in uns auf die Frucht, die diese Zeit heranreifen lässt, denn „wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber er­stirbt, bringt es viel Frucht“ (Joh 12,24).


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