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Geistlicher Impuls für Sonntag, 23. August 2020

Zuversicht auf Gott

 

Etwas ganz anderes als die Prognose, dass es schon gut ausgehen wird

 

Geistlicher Impuls für Sonntag, den 23.8.2020

 

Von Thorsten Diesing

 

Hoffnung ist eine menschliche Grunderfahrung. Und wie jede Grunderfahrung weist sie über das rein Menschliche hinaus, hat sozusagen eine Tiefendimension. Nicht ohne Grund ist die Bibel, sind Altes und Neues Testament, voller Hoffnungsgeschichten. Der Hebräer-Brief im Neuen Testament zeigt das in eindrücklicher Weise. Hoffnung – das ist eins seiner Kernthemen: „Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht dessen, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht.“ (Hebr 11,1).

 

Das mag in guten Zeiten wie ein freundlicher Kalenderspruch wirken: „Mit Optimismus lebt‘s sich leichter.“ Doch die Zeiten, in denen der Hebräerbrief geschrieben wurde, waren nicht gut. Die christliche Gemeinde wird verfolgt, und es ist unsicher, ob es mit der christlichen Botschaft überhaupt weitergehen wird. Kein Grund zur Hoffnung.

 

Doch der Kern der christlichen Hoffnung zielt eben nicht auf Wahrscheinlichkeiten und Prognosen, sondern auf die Verheißung Gottes. Weil Gott den Menschen in der Geschichte Israels seinen Bund zugesagt hat und in Jesus Christus unumstößlich bekräftigt hat, haben die Menschen einen Grund zur Hoffnung.

 

In unserer Zeit sichert man die Erwartungen an die Zukunft gerne mit Hilfe von wissenschaftlichen Prognosen ab. Wenn die Prognosen positiv sind, dann besteht Grund zur Hoffnung. Doch mit der christlichen Hoffnung ist etwas ganz anderes gemeint als ein wahrscheinlich guter Ausgang einer Entwicklung. In jeder noch so positiven Prognose nagt ein Restzweifel: „Und was ist, wenn es anders kommt? Was ist, wenn etwas dazwischen kommt?“ Die christliche Hoffnung zieht ihre Kraft nicht aus der Berechnung der Zukunft, sondern aus dem Vertrauen auf Gott, dass er es gut mit den Menschen meint. Der Unterschied ist gravierend. Wenn eine gute Prognose zurückgenommen werden muss, ist die Hoffnung schnell am Ende. Die christliche Hoffnung dagegen beruht auf einer Zuversicht, die nicht direkt von den Erfolgsaussichten abhängig ist.

 

Um das deutlich zu machen, lässt der Autor des Hebräerbriefes die Erfahrungen der herausragenden Menschen der Geschichte Israels Revue passieren. Noah baut auf Gottes Aufforderung hin die Arche und sichert so das Weiterleben von Menschen und Tieren, Abraham bricht auf ins Ungewisse, seine Frau Sara vertraut Gott und bringt entgegen allen Wissens im hohen Alter ihren ersten Sohn zur Welt, Mose führt die Israeliten aus der ägyptischen Gefangenschaft und erfährt in beinah auswegloser Situation Gottes Hilfe. Diese und noch viele andere Menschen des Alten Testaments bilden im Hebräerbrief eine „Wolke von Zeugen“, die aus dem Vertrauen Gott gegenüber gelebt haben, obwohl die Umstände widrig waren und jede Prognose nur schlecht ausgesehen hätte.

 

Die christliche Hoffnung wächst aus der Erinnerung an die Verheißung Gottes und aus der festen Zuversicht, dass ich mich auf Gott verlassen kann. Diese Hoffnung entsteht nicht aus absichernden Prognosen, wie wir es gewohnt sind. Der Grund christlicher Hoffnung lässt sich nicht berechnen. Christliche Hoffnung ist ein Hoffen gegen alle Wahrscheinlichkeiten.

 

 


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