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Geistlicher Impuls für Sonntag, 18. Oktober 2020

19. Sonntag n. Trinitatis
(Markus 2, 1 – 12) eine Aufstehungsgeschichte.

„Gutgemeinte“ Denkanstöße!


Ein Mensch steht auf.
Was ihm als unmöglich galt, gelingt jetzt.
Ein Mensch der nur noch liegen konnte, vom bewegten Leben abgeschnitten war, steht auf!
Er steht auf eigenen Füssen und kann sich frei bewegen.
Ja – ist das denn möglich ?


Für mich ist das eine Aufstehungsgeschichte; diese Geschichte der Heilung eines Gelähmten. Wunderbar!


Den Namen des Geheilten erfahren wir nicht;
das ist Gut so. Denn so gilt der Aufruf Jesu auf zustehen, allen die ihn hören wollen.


Wir sind mitgemeint in seinem Ruf, allen lähmenden Erfahrungen zum Trotz.


Aber an dieser Geschichte ist nicht nur wunderbar, dass da einer geht, der vorher nicht gehen konnte. Zum Wunder dieser Geschichte gehören entscheidend auch die Menschen,
die mit dem Gelähmten gehen.


Sie gehen ihm nicht aus dem Weg, sie leihen ihm, der nicht gehen kann, ihre Fähigkeit und Beweglichkeit - freundschaftlich!
Ganz bestimmt die vier, die ihn tragen.


Auch von ihnen erfahren wir keine Namen.
Einen Namen macht man sich damit jedenfalls nicht. So bleibt die Rolle der Helfenden auch für Jede und Jeden von uns, mit unseren Fähigkeiten, offen.
Es gibt sie zum Glück, Menschen, die den Ruf nach Verantwortung und Solidarität nicht überhörend verhallen lassen.
Ermutigend ist an dieser Geschichte, dass da Menschen sind, die mitgehen und mittragen.
Ich stelle mir vor, wie sie unterwegs zu einer Gemeinschaft werden.
Wie sie, je zwei vorne und zwei hinten - sich unterstützend an der Trage - ihren Freund - in die Mitte des Geschehens „vor Gott“ bringen.


„Vor Gott bringen“ sagen wir ja auch, wenn wir vom Beten sprechen.


Hier geschieht es ganz praktisch: Sie bringen ihn dahin, wo das Wort Gottes verkündigt wird.-- unkonventionell, durch das Loch abgedeckter Pfannen im Dach, heben die Vier ihren gelähmten Freund mitten in den Gottesdienst, wie eine Herausforderung, vor seine Füße. D a !


Die Vier geben dem Freund den Platz in der Mitte, - gelähmt auf der Trage liegend - und konfrontieren so alle Anwesenden und den Sohn des lebendigen Gottes mit dieser menschlichen Lähmung, die soviel vom Leben abschneidet.
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Die Helfer stehen nicht im Mittelpunkt.
Sie sind verständnisvoll mitfühlend dabei. Ihr Tun hat etwas von einem Protestmarsch. Es erscheint so, als wollten sie sich vergewissern, ob in diesem Jesus aus der Zimmerei in Nazareth,
das lebendige Wort Gottes wirklich Mensch geworden ist. Ja, sie fordern Jesus heraus.


Und wie alle, die provozierend protestieren, halten sie es für denkbar, dass, das was sie fordern, das tatsächlich Mögliche ist! Sie geben nicht auf, sie erreichen ihr Ziel mit dem Umweg über das Dach.


Jesus nennt das, was die Vier tun: Glauben!


So ganz praktisch ist in seinen Augen der Glaube. Er hat immer auch etwas von provozierender Kraft, wie sie hier im Handeln der vier Helfer sichtbar wird.


Der Glaube ist dem Leben zugewandt, er wird Leben fördernde Energie, die zur notwendigen Tat werden kann.


Mit dieser Geschichte rechne ich damit, dass Jesus auch das Glauben genannt hätte, was all die unzähligen Menschen in den letzten Jahren immer wieder bewegte, sich auf den Weg zu machen, bedingungs- und vorbehaltlos an die Seite der ankommenden Flüchtlinge zu stellen.
War das nicht auch ein Gang gegen lähmende Angst und niederdrückende Hilflosigkeit, die wir in einem für uns Einzelne unüberschaubaren großen Szenario erleben.


Zwar gibt es Glauben nicht nur in der sichtbaren Tat. Durch das Gebet um Hilfe und Aufnahme für bittenden Menschen aus den Kriegsländern unserer Tage, können wir mittelbare Wirkungen auslösen. Glauben und Hoffen der Christen leben darin, dass sie sich immer wieder in mutigen
Taten verwirklichen und so in lebender Bewegung bleiben.


Bewegung gegen Lähmung. Das ist der Kern und das Wunder dieser Geschichte.


Wir wissen nicht was diesen Menschen lähmt, wie lange er gelähmt war und wie schmerzhaft die Lähmung für ihn war.


Die Geschichte stellt uns die Krankheit nicht nur als körperliches Leiden dar.
Mit dem Wort Sünde kommt zur Behinderung noch eine weitere Belastung hinzu.


Sie zeigt sich auch uns, als Jesus als erstes zum Lahmen sagt: „Mein Sohn , dir sind die Sünden vergeben!“


Sind wir nicht ein Stück weiter?
In der Medizin unserer Tage werden die Krankheiten möglichst wertfrei - nicht aber schuldbedingt erklärt.
Wehren wir uns nicht mit guten Gründen gegen jegliche Schuldzuweisungen? Hier ein klares Ja!
Wir haben einen heiklen Punkt der Geschichte vor uns.
Es ist ein heikler Punkt in jeder Krankheitsgeschichte.


Deshalb denke ich, es sollte, das Bild dieser Lähmungserscheinung möglichst weit gefasst werden. Also, auch solche Lähmungen mit zu denken, die Seele, Geist, Gedanken, Gefühle und Körperfunktionen befallen können.

Je weniger eng wir hier denken, je weniger klammern wir unsere eigenen Lähmungserscheinungen aus.


Im Persönlichen kennen wir das ja auch:


Lähmende Angst vor großen Anforderungen, Angst man könnte etwas falsch machen (und bevor ich etwas falsch mache, mache ich lieber gar nichts) - das ist lähmend.


Versagensängste, verbunden mit Angst vor Bestrafung, Angst, vor Liebesentzug – das lähmt!


Oder die Angst ich bin an allem Schuld. Aufgeklärtes Denken hin oder her, das gibt es auch heute. Kinder haben Angst, sie seien schuld am Streit, ja sogar an der Trennung ihrer Eltern, sie blicken in eine Zukunft, die zum schwarzen Loch wird.


Das geht ihnen nahe und bleibt bis ins Erwachsenenalter. Nicht nur Kinder behalten die Ängste sie hätten Schuld - das ist lähmend.


Wenn dann aus der Umgebung noch Floskeln wie diese kommen:
„Reiß dich doch zusammen, lass dich nicht so hängen, dreh dich nicht immer um dich selbst.“
Hören wir „Verbale Abstandshalter“ mit denen sich die Umgebung den Gelähmten vom Leibe hält, ihn lahm legt und gelähmt liegen lässt.


Der Gelähmte - nun zu Füssen Jesu liegend, lebte in einer Gesellschaft, in der es aus Unwissenheit üblich war zu munkeln:
Der muss doch gesündigt haben, wenn er so ein Schicksal hat!


Jedoch hat er, gleich in mehrfacher Hinsicht, Glück.
- er findet Menschen, Freunde, die ihn tragen, so wie er ist, die sich weigern diese gemunkelten Verdächtigungen nach zu plappern. Sie haben, vielleicht mühsam gelernt: dem müssen wir helfen!

 

Und so sagen sie ihm: Ja wir tragen dich, mit allem was dich lähmt. Darauf kannst du dich verlassen. Und sie sagen es ihm nicht nur als Vertröstung, sie ergreifen in der Tat die Trage!
Da beginnt die Heilsgeschichte. --- Und bei Jesus geht sie weiter; verbindend ist der Glaube.


Die ersten Worte in dieser Geschichte: „Mein Sohn, …“,ein liebevolles Wort.
Ich denke mir: Jesus sagt das so zu ihm, wie er das noch nie gehört hat in seinem Leben. Er fühlt,"hier spricht mich einer so an, dass ich angenommen bin.„


Und dann kommt das Wort, mit dem keiner gerechnet hat: “Dir sind deine Sünden vergeben …“ Jesus nennt jetzt das beim Namen, was diesen Menschen all die Jahr gelähmt hat; seine Angst schuldig zu werden, schuldig zu sein.
Nun spricht Jesus ihn frei: Zwischen dir und mir, zwischen dir und Gott steht nichts.


Dieses Wort Jesu ist gleichzeitig an seine Umgebung gerichtet, an die Öffentlichkeit mit ihren verdeckten und offenen Schuldzuweisungen. Der Gelähmte kann sich dagegen nicht wehren. Das tut Jesus an seiner Stelle, als Anwalt für sein Leben.


Die anwesenden Spitzenleute der Gesellschaft, Schriftgelehrte empörten sich: Wie kann er so reden, Er lästert ja Gott! Wer kann den Sünden vergeben als Gott allein?
Die Empörung brodelt dumpf.


Deshalb richtet Jesus seine Aufmerksamkeit auf diese lähmende Störung, er wendet sich der Empörung seiner Gegner mit der Frage zu: „Was denkt ihr da in euren Herzen?“
Er spricht das an, er deckt auf, was sich stumm der ausgesprochenen Befreiung entgegenstellt.


Und indem er aufdeckt, verliert sie ihre lähmende Macht, die erdrückende Last der Schuldzuweisungen.


Und so ist das nur konsequent, wenn er sagt: „Steh auf, stell dich auf deine Beine. Du kannst gehen. Ich nehme dich in Schutz gegen alle, die dich wieder lähmen wollen.“
Deine Sünden sind dir vergeben, das Lähmende ist weg.


Das ist das glückliche Ende seines Heilungsprozesses.: Heil werden, gesund werden ist ein Weg. Die vier Freunde sind beteiligt. ihr vertrauensvolles Tragen, ihr offensichtlicher Glaube daran, dass es möglich ist, hat heilende Wirkung. Jesu Zuspruch und Freispruch aus der Vollmacht des Menschensohnes, ist die entscheidende Station am Ende dieses Weges.


Durch die Wirkungsmacht seiner Worte leuchtet für mich hinter dieser Aufstehungsgeschichte die österliche Auferstehungsgeschichte ,ja Christus Jesus selbst.


In seinem Wunderhandeln offenbarte sich die Vollmacht des Gottes Sohnes, für den, der
glaubend darauf vertraut - es ist möglich!


„Durch ihn ist uns vergeben die Sünd`, geschenkt das Leben…“


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