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Geistlicher Impuls für Sonntag, 1. November 2020

... von Pfarrer Thorsten Diesing

 

Der Predigttext für den kommenden Sonntag ist ein Brief, den der Prophet Jeremia vor 2600 Jahren geschrieben hat. Er richtet sich an die deportierten Israeliten in Babylon.

Auf zwei Kernsätze möchte ich mich hier beschränken.

Vers 7: Suchet der Stadt Bestes! und betet für sie zum HERRN; Denn wenn es ihr gut geht, dann geht es auch euch gut.

Und die Verse 13 und 14: Wenn ihr mich von ganzem Herzen suchen werdet, so will ich mich von euch finden lassen, spricht der HERR.

 

Zwei Ratschläge für verunsicherte Menschen, die ganz unterschiedliche Orientierung bieten. Aber ich glaube, das Entscheidende ist, dass sie nur zusammen helfen, das Leben sinnvoll zu bestehen.

 

„Suchet der Stadt Bestes!“ – Dieser Satz wird immer dann zitiert, wenn es um das gesellschaftliche Engagement der Kirche geht. Hier geht es um den sozialen oder politischen Weg: nicht Rückzug aus der Welt (Sonntags Gottesdienst feiern und damit ist gut), sondern mitarbeiten, das Beste daraus machen, getreu dem Motto: Suchet der Stadt Bestes.

 

Auch wir Christen müssen daran interessiert sein, dass in unserem Land eine gute Ordnung besteht und dass die Wirtschaft nicht daniederliegt. Wir sind wie alle Bürger darauf angewiesen, dass unser Leben und unser Eigentum vom Staat geschützt werden. Eine wirtschaftliche Krise trifft uns wie jeden anderen; und wenn wir nicht selbst den Arbeitsplatz verlieren, dann trifft uns die Krise zumindest indirekt, weil dann Staat oder Stadt nicht mehr die Leistungen finanzieren können, die wir gerne in Anspruch genommen haben oder für wünschenswert halten. Auch Sankt Augustin muss ja schon seit Jahren jeden Cent noch einmal umdrehen.

In Zeiten von Corona heißt das: Verantwortungsvoll die Regeln beachten. Es dem Virus so schwer wie möglich machen sich zu verbreiten.

 

Und daneben: „Wenn ihr mich von ganzem Herzen suchen werdet, so will ich mich von euch finden lassen“ – der zweite Weg, wir könnten ihn den geistlichen Weg nennen.

Such nach Gott! Richte dein Leben nach seinem Wort aus – dann wirst du ihn auch finden – und damit das Ziel, den Sinn in deinem Leben.

Ein wichtiges Wort gerade für eine Welt, für eine Gesellschaft, von der wir sagen: sie will von Gott nichts mehr wissen. Viele unserer Zeitgenossen sind auf der Suche nach Orientierung. Sie spüren, dass die materielle Befriedigung der Bedürfnisse nicht der letzte Sinn des Lebens sein kann. Und sie lassen sich dann von allen möglichen und unmöglichen Angeboten auf manchmal sehr zweifelhafte Wege führen.

 

Dagegen sagt Jeremia: vielleicht nicht für alle, aber für viele Lebensfragen kann noch immer der Glaube unserer Väter und Mütter eine Hilfe für solches Fragen und Suchen sein. Er kann Orientierung und Hoffnung geben, denn Gott selbst verspricht, dass er uns Zukunft und Hoffnung geben will.

 

Nun habe ich am Anfang gesagt, dass diese beiden Wege, die Jeremia vorstellt, in gewisser Weise gegenläufig sind. Einmal eben der politische Weg – nach außen: Engagement in Stadt und Gesellschaft. Und dann der geistliche Weg – nach innen: nach Gott fragen, beten – eben „fromm“ sein.

 

Und in Kirchengemeinden sieht das auch häufig so aus: entweder man trifft sich in Hauskreisen und spricht über den eigenen Glauben – oder man engagiert sich für Frieden, Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung.

 

Dabei ist das, was Jeremia rät gerade die Verbindung von beidem: geistlich-politisch oder politisch-geistlich sein. Denn das eine ohne das andere kann schnell zum Irrweg werden.

 

„Suchet der Stadt Bestes!“ – ja natürlich. Aber was ist das Beste für die Stadt (und für die Menschen, die in ihr leben – und noch genauer: für die Gesamtheit der Menschen, die in ihr leben – die Reichen und die Armen / die Jungen und die Alten / die Frauen und die Männer)? Es ist nicht so einfach herauszubekommen, was für die Stadt das Beste ist.

Man braucht dazu einen sicheren Standpunkt, von dem aus man die Entwicklungen beurteilen kann.

 

Und da kommt dann der geistliche Weg ins Spiel: nach Gott fragen, nach seinem Willen. Was ist in seinen Augen gerecht? Was gehört für ihn zum Schalom, zum Frieden? Was sind seine Gebote? Seine Ratschläge für ein gutes Leben?

Beide Sätze, beide Bewegungen gehören zusammen: Suchet der Stadt Bestes – und um herauszubekommen, was das Beste ist: Sucht von ganzem Herzen nach Gott, denn dann wird er sich von uns finden lassen. Dann gibt er die nötige Orientierung in unserer unübersichtlichen Welt.

 

Und andersherum gilt natürlich das Gleiche: einfach nur fromm sein; sich mit sich und seinem Glauben beschäftigen – darf kein Selbstzweck sein! Glaube will und soll gelebt werden in der Welt: in der Stadt, im Land, in der Gesellschaft.

Das eigene Seelenheil ist nicht abseits der Gerechtigkeit für die Welt zu erlangen.

 


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