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Geistlicher Impuls für den 1. Advent, 29. November 2020

... von Pfarrer Thorsten Diesing

 

Im Advent bereiten wir uns auf das Kommen Jesu vor. Und wie könnten wir das besser, als uns die großartigen Verheißungen anzuschauen, die in der Bibel die Geburt des Retters ankündigen.

 

Da gibt es das Loblied des Zacharias. Er war Priester am Tempel in Jerusalem und der Vater von Johannes – dem Johannes, der später den Beinamen „Der Täufer“ bekommen wird, und der mit seinen Predigten und seinem Ruf zur Umkehr den Weg vorbereitet für Jesus.

 

In den letzten Versen seines Loblieds greift Zacharias die Hoffnung des Volks auf den verheißenen Messias auf:

„Gott verzeiht uns, weil er uns so sehr liebt. Sein Licht wird uns die Richtung zeigen. Dieses Licht wird für alle Leute da sein, die im Dunkeln leben, die Angst vor dem Tod haben, die vom Tod bedroht werden. Dieses Licht wird uns den Weg zeigen, wie wir Frieden finden können.“ (Lukas 1,78-79)

 

Zacharias, so wird es erzählt, wird vom Heiligen Geist erfüllt und singt ein hoffnungsvolles Lied. Gott wird sein Versprechen erfüllen. Der verheißene Retter, der Messias, wird endlich erscheinen. Sein Licht leuchtet allen, die im Dunkeln sind, die im finsteren Land des Todes leben. Gottes Hilfe bricht in diese Welt wie ein wunderbarer Sonnenaufgang.

 

Licht ist das erste Werk Gottes. „Es werde Licht!“, so steht es ganz am Anfang der Schöpfungsgeschichte. Das Licht bringt Ordnung in das Chaos; strukturiert die Zeit mit dem Ablauf von Tag und Nacht. Gott selbst ist das Licht. Licht ist das Kleid Gottes und sein Angesicht leuchtet über uns.

 

An vielen Stellen der Bibel wird über das Licht Gottes geschrieben. In den Psalmen lesen wir: „Der Herr ist mein Licht und mein Heil, vor wem sollte ich mich fürchten?“ (Ps 27, 1) und „Bei dir ist die Quelle des Lebens, in deinem Licht sehen wir das Licht.“ (Ps 36, 10) „Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Wege.“ (Ps 119, 105)

 

Wo Gott ist, da ist Licht. Die Finsternis ist Gottverlassenheit.

Auf dieses Licht warten wir wie in jedem Jahr in der Adventszeit. Wir zünden Kerzen an; stecken Lichterketten an Bäume und illuminieren in teilweise absonderlicher Art unsere Häuser. Vielleicht in einem Jahr wie diesem noch sehnsuchtsvoller. Möge das Licht, das von Gott kommt, doch endlich unsere Finsternis hell machen.

 

Noch einmal diese Verse:

„Gott verzeiht uns, weil er uns so sehr liebt. Sein Licht wird uns die Richtung zeigen. Dieses Licht wird für alle Leute da sein, die im Dunkeln leben, die Angst vor dem Tod haben, die vom Tod bedroht werden. Dieses Licht wird uns den Weg zeigen, wie wir Frieden finden können.“

 

Wer lebt denn im Dunkeln? Wer ist von Angst bedroht? Wer fürchtet um sein Leben? Im Frühjahr und im Sommer war die Angst im ganzen Land zu spüren. Und es ist jetzt noch nicht vorbei, sondern fängt wieder an. Menschen sind durch das Corona-Virus vom Tod bedroht. Viele sind gestorben – letzten Sonntag ist mir das so richtig bewusst geworden: beim Sterbegedenken im Gottesdienst. Zehn Beerdigungen im April; in keinem anderen Monat mehr als vier. Sorgen und Unsicherheit sind überall zu spüren. Und nicht nur vor dem Sterben: Arbeitsplätze waren und sind bedroht, Lebensträume und Lebenswerke stürzen ein, Existenzen gehen verloren, bei uns – aber weltweit noch viel mehr. Denn wir sind doch alle noch vergleichsweise gut abgesichert.

 

Und sehen wir von Corona ab: Wir kennen auch andere dunkle Seiten im Alltag und in unserer Gesellschaft.

Finsternis ist dort, wo jemand einsam ist oder auf die Seite geschoben wird.

Finsternis ist dort, wo gemobbt wird oder Unterdrückung herrscht.

Finsternis ist dort, wo Neid, Hass, Gier und Unfriede herrschen.

Finsternis ist da, wo im Namen der Religion unsagbares Leid geschieht.

Finsternis ist da, wo Flüchtlinge in katastrophalen Auffanglagern ausharren müssen oder in überfüllten Booten auf dem Mittelmeer treiben, weil kein Land bereit ist, sie aufzunehmen.

Die Liste ist lang und wir fühlen uns oft machtlos. Wir können nicht das ganze Elend und Leid der Welt abwenden. Als Christinnen und Christen können wir aber das Leid auch nicht ausblenden. Wir nehmen es mit in unsere Gebete und bitten Gott um seine Hilfe, um Licht in der Dunkelheit. Und wir können entdecken, wo wir ein Licht anzünden können: Hilfe anbieten, Geld teilen und Nächstenliebe üben.

 

Gott wird ein Licht schicken, um unsere Füße auf den Weg des Friedens zu lenken. Und wenn wir zu Christus gehören, dann sind wir selbst Kinder des Lichts. „Denn ihr alle seid Kinder des Lichtes und Kinder des Tages. Wir sind nicht von der Nacht noch von der Finsternis“, so schreibt Paulus im 1. Thessalonicherbrief. Licht für diese Welt zu sein, ist ein Auftrag Jesu. Gott braucht uns Menschen, damit wir sein Licht in dieser Welt an andere weitergeben.

 

Das Licht der Welt ist auf dem Weg. Als Kinder des Lichts sind wir seine Zeug*innen. Und wir sind berufen, das Licht weiterzutragen, das Heil zu verkünden, Tränen zu trocknen, zu trösten, zu lieben, zu heilen und Frieden zu stiften. Lassen Sie uns Hoffnungsbot*innen werden wie Zacharias. Lassen Sie uns die frohe Botschaft weitergeben. Lassen Sie uns in diesem Advent aus dem Zuspruch des Lichts Gottes die Kraft schöpfen, die wir auch in den kommenden Monaten noch brauchen werden.

 

AMEN

 


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