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Geistlicher Impuls für Sonntag, 24. Januar 2021

... von Pastorin Sonja Poliak

 

Es werden kommen von Osten und von Westen, von Norden und von Süden, die zu Tisch sitzen werden im Reich Gottes.

Lukas 13,29

 

"Kinder, Essen ist fertig!" Das ist Mutti, die ganz laut in den Hof ruft. Immer muss sie so brüllen. Sie stört wirklich heute. Aber auf der anderen Seite habe ich auch Hunger. Das merke ich erst dadurch, dass Mutti uns ruft. Dann stimmt es wohl schon, dass es jetzt Zeit zum Essen sein könnte.

Wir Kinder verlassen unser tägliches Geschäft und treten ein in eine andere Welt. Schwupps. Weg sind die, die Feen und Elfen, die Ritter und Burgen.

Als Kinder haben wir meist noch viel Übung darin, unsere Welten zu wechseln. Ein Zeichen, ein Ruf, andere Leute, die uns herausfordern – und wir als Kinder probieren aus, jemand anderes zu sein. Das ist das Schönste am Kindsein – jedenfalls in meiner eigenen Rückschau. Das Hinüberwechseln in eine andere Möglichkeit des Lebens ist leicht. Ich sehe das so: Ein Ruf erschallt, und aus allen Ecken und Enden der vorstellbaren Welt strömen die Menschen zusammen und setzen sich an den gedeckten Tisch. Im Grunde ist dies eine schöne Geschichte, die der Lukas da erzählt. In meiner Vorstellung von Gottes anderer Welt, in der wir alle – aus dem Osten und dem Westen, aus dem Norden und dem Süden – an einem Tisch sitzen, hat Gott die Tür weit aufgemacht. Mütterlich hat er den Tisch gedeckt, väterlich streichelt er den heimkehrenden Menschen aus aller Herren Länder über die Wange. Gott freut sich, dass seine Kinder heimströmen, die Treppe hochrennen, elfengleich und ritterlich sich an den Tisch setzen und gespannt sind auf das, was nun kommt.

Denn Gott hat in seinem Reich alle Kraft und Macht, alle Möglichkeiten, die wir in unserem kleinen Leben uns nur stückweise vorstellen können. Da bin ich wieder ganz kindlich und beglückt von der Gegenwart des Hausherrn, der den Tisch bereitet hat. Natürlich ist das menschliche Rede von einem Gott, den ich mir nicht vorstellen kann. Aber ich kann vergleichen. Mit meinen menschlichen Erfahrungen und Erinnerungen kann ich versuchen, etwas zu beschreiben von Gottes Reich. Auch, wenn ich weiß, dass es immer dann wieder ganz anders sein wird, als ich mir gedacht habe.

Aber der Lukas, der das damals so aufgeschrieben hat, der hat das auch nur erfahren und verglichen, wie wir heute. Das ist unsere Aufgabe. Das weiterzusagen, es hinaufzurufen in den Hof, in dem die anderen gerade spielen. Laut zu rufen: Essen ist fertig, kommt alle! Und sie kommen alle. Legen ritterlich die Schwerter ab, kommen feengleich gerannt. Alle kommen von Osten und von Westen, von Norden und von Süden – und die sitzen nun am Tisch im Reich Gottes.

 

Uns allen einen gesegneten Sonntag!

 


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