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Geistlicher Impuls für Sonntag, 14. März 2021

Geistlicher Impuls zu Johannes 12,20-24

 

von Pfarrer Thorsten Diesing

 

Der Predigttext für den Sonntag Lätare hat als Zentrum das Jesuswort: „Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es viel Frucht.“ Gedeutet auf seinen Tod am Kreuz: Nur auf diesem Weg kann er ein Zeichen setzen; nur so kann er die Welt verändern – und das hat ja auch geklappt.

 

Mir geht es heute aber um die scheinbar banalen Einleitungssätze vor der Rede Jesu: „Unter denen, die zum Fest nach Jerusalem hinaufgezogen waren, befanden sich auch einige Griechen. Sie wandten sich an Philippus, einen der Jünger Jesu, und baten ihn und sprachen: Herr, wir möchten gerne Jesus sehen.“

 

Warum steht das da? Was soll das?
Diese Griechen kommen danach nicht mehr vor! Wir erfahren nicht, ob sie überhaupt zu Jesus vorgelassen wurden; Und Jesus geht in seiner Antwort anscheinend gar nicht auf diese Griechen ein. Wir wissen absolut nichts! Aber sie waren für den Evangelisten so wichtig, dass er sie erwähnt hat; dass er sie bei allen Überarbeitungen, die er an seinem Text sicher vorgenommen hat, drin stehen gelassen hat. Warum?

Meine Antwort: Diese Griechen, das sind die, mit denen wir uns identifizieren können und sollen! Das sind wir!

 

Unsere Geschichte erzählt nichts Genaueres. Vielleicht waren es nur zwei, die ein bisschen über diesen Jesus gehört hatten und sich nun dachten: „Alter, der ist hier! Den schauen wir uns mal an. Wir versuchen mal, „backstage“ zu kommen. Fragen kostet ja nichts.“ Sie wollten einfach mal gucken gehen. Sie haben keine wirkliche Frage, kein Problem. Aber der ist anscheinend ein Promi.

 

War es das, was die beiden Griechen wollten? Oder hatten sie das Gefühl, dass die Begegnung mit Jesus ihr Leben verändern könnte. So wie das Verliebtsein einen Menschen verändert? Wollten Sie Jesus sehen, damit ihr Leben mit seinem verschmelze und sein Weg ihren Weg bestimmen möge?

 

Wie gesagt: Wir wissen es nicht! Wir wissen nichts weiter über diese beiden Griechen. Aber wenn wir dahinter stecken? Wenn unser Predigttext ein Gleichnis unserer Zeit ist?

 

Vielleicht täusche ich mich, aber ich habe den Eindruck, dass zur Zeit besonders oft „nur mal geguckt“ wird. Man „schaut mal rein“, „lässt sich mal sehen“. Aber ohne sich wirklich einzulassen.

 

Sind die Griechen unseres Predigttextes typische Menschen unserer Zeit? Hätten sie Jesus wirklich begegnen wollen? Oder hätte es ihnen gereicht, wenn sie ihn mal im Fernsehen gesehen hätten bei „DSDS“, bei „Germany´s next Top Model“ oder beim „Promidinner“?

 

Ein paar Tage später hängt er dann am Kreuz. Da kann jeder mal gucken.

 

Aber welche Welten liegen dazwischen, ob man auf Golgatha steht und nur mal guckt, wie der da hängt. Oder ob mein Leben mit ihm verschmolzen ist und sein Weg meinen Weg mitbestimmt; Wenn die Begegnung mit ihm mein Leben verändert hat, mein und sein Leben und Erleben verbunden sind wie bei Verliebten. Wenn dort am Kreuz nicht irgendjemand hängt, sondern mein Leben!

 

Nichts ist weiter entfernt voneinander als zwei Menschen, von denen der eine nur mal guckt und der andere bei der Zerstörung des Menschen zusehen muss, der ihm zum eigenen Leben geworden ist.

 

Wer nur guckt, hat nichts gesehen. Er sieht einen Menschen wie jeden anderen, austauschbar, sein Leiden und sein Tod sind nichts anderes als einer von den täglichen Toten im Abendprogramm. Seine Passion ist nichts als eine Art Entertainment. Und seine Auferstehung auch nicht mehr als das schnulzige Ende vor dem Abspann gegen 21.45 Uhr, damit man gut schlafen kann oder noch mal schnell woanders rein gucken kann.

 

Wer Christus sehen will, der muss seinen Weg mit ihm gehen. Er muss sich in ihn verlieben, das eigene Leben mit ihm verschmelzen lassen.

 

Wollen wir das? Den Weg Jesu mit ihm gehen? Wir wissen, sein Weg führt wirklich nach ganz unten in tiefste menschliche Abgründe. Und er führt ganz hinauf: zur Auferweckung zu einem neuen Leben in Einheit mit Gott. Sein Weg eröffnet die ganze unfassbare Weite menschlichen Erlebens.

 

Wollen wir unser Leben mit jemandem verbinden, der das Leben und Empfinden, Glück und Schmerzen aller Welt zu seinen eigenen macht? Wollen wir ihm begegnen, uns in ihn verlieben und mit ihm alles Leben dieser Welt heiraten, alles Glück und allen Schmerz?

 

Welten liegen dazwischen, ob man auf Golgatha steht und nur mal guckt, wie der da hängt. Oder ob mein Leben mit ihm verschmolzen ist und sein Weg meinen Weg mitbestimmt; Wenn die Begegnung mit ihm mein Leben verändert hat, mein und sein Leben und Erleben verbunden sind wie bei Verliebten. Wenn dort am Kreuz nicht irgendjemand hängt, sondern mein Leben!

 

Ich sehe dann nicht mehr nur einen Menschen wie jeden anderen, austauschbar. Sondern sein Leiden und sein Tod sind das Leiden und Sterben der ganzen Welt. Alles Leid dieser Welt hängt dann dort - und ich mit ihm. Dann ist der Tod dort am Kreuz mein Tod. Und seine Auferstehung meine Auferweckung zu einem neuen Leben in Einheit mit Gott und allem Leben. Amen.

 


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