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Predigt zu Christi Himmelfahrt, 13. Mai 2021

... über Eph 1,15-23

 

von Pfarrerin Angelika Hagena

 

Liebe Gemeinde,

immer wieder höre ich in Telefonaten mit Menschen aus unserer Gemeinde so in etwa die folgenden Sätze: Ich bin so viel spazieren gegangen in den letzten Wochen und ich muss sagen: Noch nie habe ich so gestaunt über das Erwachen der Natur, über die Vielfalt der Blütenblätter, wie sich so eine Fülle von Leben durch die braune Erde schiebt und auf einmal ist alles grün und leuchtend. Eigentlich unglaublich und irgendwie sehe ich das auf einmal mit anderen Augen. Und dann gehe ich jetzt so oft rund um den Hangelarer Flughafen, wo man die Sonnenuntergänge so schön beobachten kann. Was für ein Wunder unser Leben doch ist!

 

Vielleicht lernen wir im Moment alle ein wenig das Staunen wieder, weil wir so hungrig nach Leben sind, weil all die gewohnten Zerstreuungen und Ablenkungen ein Jahr lang wegfielen, weil wir viel mehr Zeit haben, in Ruhe durch den Garten zu gehen oder durch den Wald zu spazieren. Oder auch nachzudenken, wie sich unser eigenes Leben und vielleicht auch das unserer Kinder über die Jahre entwickelt und entfaltet hat. Inmitten der Pandemie ist es mir manchmal fast so, als würden die Menschen weniger klagen und vielmehr erstaunt feststellen, wie gut es ihnen eigentlich geht, sogar ohne all die gewohnten Vergnügungen, die man sonst auch noch genießt. Selbst in jungen Familien, die in dieser Pandemie den allergrößten Belastungen ausgesetzt sind, hört man auch: Gott sei Dank, wir sind alle gesund geblieben. Oder: Ja, wir haben unsere Corona-Erkrankung gut überstanden. Da waren so viele, die Hilfe angeboten haben und uns in Quarantäne versorgt haben.

 

Dankbares Staunen, darum geht es im heutigen Predigttext, dankbares Staunen über die Gemeinde in Ephesus. An sie ist der heutige Predigttext gerichtet, klingt etwas kompliziert, gemeint ist: Leute, ihr seid echt klasse in eurem Glauben an Jesus Christus und in eurer Liebe! Ihr seid da auf einem guten Weg und stellt euch vor: noch viel mehr ist euch versprochen! Anteil sollt ihr haben an etwas ganz Erstaunlichem und wirklich Wunderbarem, an einer Fülle von Herrlichkeit. Denn Gott schenkt euch seinen Geist!

Lassen wir uns mit hineinnehmen in gläubiges Staunen und die große Freude des Briefschreibers, dass unser Herr Jesus Christus nicht im Tod geblieben ist, sondern aufgefahren in den Himmel!

 

Predigttext aus Epheser 1,15-23:

Dank für die Liebe der Gemeinde und Fürbitte

15Ich habe von eurem Glauben an den Herrn Jesus und eurer Liebe zu allen Heiligen gehört.16Das ist auch der Grund, weshalb ich unablässig für euch danke. Das tue ich jedes Mal, wenn ich im Gebet an euch denke.17Dann bitte ich den Gott unseres Herrn Jesus Christus, den Vater, von dem alle Herrlichkeit ausgeht: Er gebe euch den Geist, der euch Weisheit schenkt und Offenbarung zuteilwerden lässt. So könnt ihr Gott erkennen.18Er mache euer Herz einsichtig. Denn ihr sollt wissen, welche Hoffnung mit eurer Berufung verbunden ist. Und ihr sollt erkennen, welche Fülle an Herrlichkeit zu seinem Erbe für die Heiligen gehört.19Und ihr sollt begreifen, mit welch überwältigend großer Kraft, er in uns Glaubenden wirkt. So entspricht es der Macht und Stärke, mit der er sein Werk vollbringt.

20Diese Macht ließ er auch an Christus wirksam werden: Er hat ihn von den Toten auferweckt und an seine rechte Seite im Himmel gesetzt.21Dort thront er hoch über Mächten und Gewalten, Kräften und Herrschaftsbereichen. Er herrscht über alle, deren Namen man im Gebet anruft – nicht nur in dieser, sondern auch in der kommenden Zeit.22Alles hat Gott ihm zu Füßen gelegt und ihn zum Haupt über die ganze Gemeinde gemacht. 23Sie ist sein Leib. So ist sie die ganze Fülle dessen, der alles in allem erfüllt: Christus.

 

Liebe Gemeinde,

wie unglaublich be-geistert der Verfasser dieser Zeilen ist! Kreuz und Tod scheinen schon in unendlich weiter Ferne. Christus ist aufgefahren in den Himmel und sitzt zur Rechten Gottes. Welch übergroße Freude! Denn nun begegnet er nicht mehr nur einzelnen Menschen auf Erden, sondern er ist mit seiner Liebe und seinem Geist bei uns allen und wir haben Anteil an seiner Herrlichkeit.

 

Ich stelle mir vor, während er diese Verse schreibt, sitzt der Schreiber hoch oben auf einem Berg. Die Welt liegt ihm zu Füßen und der Himmel scheint so nah.

Setzen wir uns einfach mal daneben und lassen uns anstecken von so viel Be-geisterung: warum nicht mit ihm einfach mal dankbar in den Himmel blicken an diesem Feiertag Christi Himmelfahrt.

 

Vielleicht sind wir in Predigten und Gedanken auch generell viel zu schnell bei unserer Welt, die noch auf Erlösung wartet. Bei unserer Welt, deren Probleme allabendlich auf allen Kanälen verhandelt werden. Bei unserer Welt, die in Sachlichkeit und Formularen manchmal zu ersticken droht. Bei unserer Welt, die die kindliche Freude am Leben und Dasein inmitten von anderem Leben fast verlernt hat.

 

Deshalb lassen wir an der Seite dieses Schreibers heute die Krisen der Welt mal tief unter uns liegen und den Himmel auf uns wirken.

 

Und wie schön, dabei hier oben auf dem Niederberg nicht allein zu sein: Leute, ihr seid klasse, dass ihr Glauben und Liebe in euren Herzen habt, und dass ihr heute morgen schon um 9 Uhr hier seid! Wie schön, dass wir den Posaunenchor hier mitten im Grünen heute hören können. Heute darf sich unser Herz einfach mal freuen, ohne Wenn und Aber: Gott, du meinst es gut mit uns, du schenkst uns deinen Geist, du wendest dich im auferstandenen Christus uns allen zu. Wir preisen deine Güte und deine Macht. Du versprichst uns das Heil für unser Seelen, heute und jetzt! Dank sei dir!

Warum auch nicht, mal einen Moment all den kritischen, aufgeklärten Stimmen in uns Einhalt gebieten, die da mit gewohnter Routine anfragen: „Er sitzt zur Rechten Gottes, er thront im Himmel, denn Gott hat ihn auferweckt von den Toten - ja wie um alles in der Welt habe ich mir das vorzustellen?“ Stattdessen einfach einstimmen in das Staunen unseres Briefschreibers: welche Fülle der Herrlichkeit, welche Hoffnung ist mit unserer Berufung verbunden, wie groß ist deine Gnade, Gott.

 

Ja, es reicht auch noch völlig, wenn wir morgen wieder rätseln, wo du, Gott, in all den persönlichen Krisen unseres Lebens und unserer Welt steckst. Heute lassen wir uns einfach nur beschenken.

 

Ein bisschen machen wir das ja so in jedem Vaterunser-Gebet:  Das Vaterunser-Gebet endet, wie es beginnt, mit einem großen Preis Gottes: „denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit“. Manche sagen, dass sie mit diesem Schluss eigentlich nicht viel anfangen können. Aber ich spreche diesen Vers immer sehr gerne: Da darf man am Ende des Gebets einfach alles, was einen noch bedrückt, in diesen Schluss hinein fallen lassen: die Rätsel des Lebens, den Kummer dieser Tage, die Sorgen, die so übergroß im Raume stehen, der Konflikt, den man nicht mehr gut bewältigt bekommt: „Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.“ Weiß ich den Weg nicht, so wirst du ihn, allmächtiger Gott, wissen und Wege finden, wo mein Fuß gehen kann. Ich muss die Zügel meines Lebens nicht krampfhaft festhalten. Meine engen Grenzen sind in diesen Schlussworten des Vaterunsers geborgen und aufgehoben: Da strahlt mir einer aus seiner Herrlichkeit entgegen und sagt: Du musst nicht alles wissen, du musst nicht alles können, du musst nicht alles glauben, aber du darfst dich fallen lassen in meine Herrlichkeit, in meine Kraft, die dich in allem umgibt und in meine Liebe, die dich selbst durch den Tod noch tragen wird.

 

Manchmal erzählen Kinder von ihren Eltern, die sie ins Sterben begleitet haben: Mein Vater oder meine Mutter hatte immer so etwas Angespanntes, so eine innere Unruhe. Aber in der letzten Lebensphase dann, als die geistigen Kräfte nicht mehr so da waren, da ließ die lebenslange Anspannung auf einmal nach, es war dann noch einmal so etwas da wie eine kindliche Freude am Leben.

 

Warum auch nicht: einen Tag mal nur glauben, loben und danken, nicht zweifeln, nicht hinterfragen, nicht kritisieren: das haben wir uns jetzt verdient nach einem Jahr Pandemie. Christi Himmelfahrt ist ein wunderbarer Anlass dazu. Uns erfüllen lassen von Gottes Fülle. Gläubig staunen über die Wunder der Schöpfung und die Freundlichkeit unserer Mitmenschen. Wie geduldig sie es mit uns aushalten!

 

Warum auch nicht: Heute mal einfach nur „Ja“, ohne „aber“.

Wenn uns Nietzsche dann begegnet, wird auch er staunen über unsere leuchtenden Augen - und vielleicht auch der ein oder die andere, mit denen wir heute telefonieren oder die wir treffen werden.

 

Heute bleiben wir mal oben auf dem Berg, dem Himmel ganz nah und blicken dem Auferstandenen nach, wie er in Gottes Herrlichkeit eingeht und sich uns aus dem Himmel zuwendet.

 

Und noch einer gesellt sich da zu uns. Vielleicht kennen Sie den großen Theologen Karl Barth. Auch er nimmt hier Platz neben uns auf dem Berg und telefoniert ein letztes Mal mit seinem Freund und Wegbegleiter, dem Theologen Eduard Thurneysen. Es ist das Jahr 1968 und der Abend vor Karl Barths Tod. Karl Barth ist wohl gelaunt. Man spricht über die Weltlage. Karl Barth sagte: „Ja, die Welt ist dunkel!“ Aber dann fügte er hinzu: „Nur ja die Ohren nicht hängen lassen! Nie! Denn es wird regiert, nicht nur in Moskau oder in Washington oder in Peking. Sondern es wird regiert, und zwar hier auf Erden, aber ganz von oben, vom Himmel her. Gott sitzt im Regiment. Darum fürchte ich mich nicht. Bleiben wir doch zuversichtlich, auch in dunkelsten Augenblicken! Lassen wir die Hoffnung nicht sinken, die Hoffnung für alle Menschen, für die ganz Völkerwelt! Gott lässt uns nicht fallen, keinen einzigen von uns und uns alle miteinander nicht!“

Es wird regiert! Das war sein letztes Wort in seinem Leben. Amen.

 

Fürbittengebet

Allmächtiger, barmherziger Gott,

Du bist uns Menschen nahe gekommen in Christus, Deinem Sohn.

Er herrscht mit Dir über Himmel und Erde

und tritt für uns sein.

Durch ihn bitten wir Dich:

Gib uns ein weites Herz,

das sich beschenken lässt von dir.

Gib uns deinen Geist,

dass wir voll Freude deine Liebe in diese Welt tragen.

Für alle, die Trost und Hilfe brauchen:

Lass sie Deine Gegenwart spüren.

Für unsere Verstorbenen: Lass Ihnen das Licht Deiner Herrlichkeit leuchten – in Ewigkeit.

Amen.

 

Vater unser…

 

Sie können das Liedblatt zum Gottesdienst an Christi Himmelfahrt herunterladen.


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