Predigt zum Sonntag, 18. Juli 2021

Predigt zum 7. Sonntag nach Trinitatis über 1. Könige 17,1-16 

von Pfarrerin Angelika Hagena

 

Liebe Gemeinde,

Gott mutet manchmal so richtig was zu! Das denke ich oft, wenn mich jemand an seinem Leben teilhaben lässt. Was Menschen bisweilen wegzustecken und irgendwie zu bewältigen haben! In einer Familie so viele Schicksalsschläge auf einmal. 

„Ich hätte nie gedacht, dass ich mal so weit unten ankommen würde“, sagte letzte Woche eine Frau zu mir. „Jetzt lebe ich auf der Straße - und da wird einem auch noch das letzte geklaut.“ 

So leicht und heiter scheint das Leben für manche Menschen zu sein - und für andere ist es solch ein Kampf mit schweren psychischen oder körperlichen Erkrankungen. 

 

Gott mutet manchmal so richtig was zu! Vielleicht denken Sie jetzt an Passagen aus ihrem eigenen Leben, vielleicht denken Sie an Verwandte, Freunde oder Nachbarn.  Warum Gott manchen Menschen so viel zumutet, darauf weiß ich auch keine Antwort. Darauf kann nur jeder und jede für sein eigenes Leben antworten. Wir können im Gespräch nur dabei unterstützen, die eigene Antwort darauf zu finden oder können mit aushalten, dass es jetzt und hier keine Antwort gibt. Wir können da sein und uns mitfreuen, wenn in solch unzumutbaren Lebenslagen wieder etwas Lebensmut zurückkehrt.

 

Einer Gruppe von Menschen mutet Gott in der Bibel ganz besonders viel zu: seinen Propheten. Ihr Auftrag ist es, Missstände und Verfehlungen klar zu benennen und das von Gott drohende Unheil allen kund zu tun. Oft werden sie zu verhassten Einzelgängern und geraten immer wieder in Lebensgefahr, gerade wenn sie auch am Königshof Unheil ankündigen. So auch im heutigen Predigtext. Der Prophet Elia wird nicht von Gott gefragt, er wird einfach zu König Ahab gesandt. 

 

König Ahab hatte Isebel, eine phönizische Prinzessin geheiratet - und die hatte ihren Gott aus Phönizien mit nach Israel gebracht, den Wetter- und Fruchtbarkeitsgott Baal. So war Israel erneut abgefallen von seinem Gott Jahwe, der es aus der Sklaverei befreit hatte. Nun schickt Gott den Elia an den Königshof zu Ahab.

Wir hören den Predigttext für den heutigen Sonntag aus 1. Könige 17,1-16:

 

Der Prophet Elija kündigt König Ahab eine Dürrekatastrophe an

171Elija, ein Tischbiter aus Tischbe in Gilead, kündigte Ahab an: »So gewiss der Herr, der Gott Israels, lebt, in dessen Dienst ich stehe! Es wird in diesen Jahren weder Tau noch Regen geben – es sei denn, dass ich es befehle.«

 

Gott versorgt Elija am Bach Kerit

2Danach kam das Wort des Herrn zu Elija:3»Geh weg von hier in Richtung Osten! Versteck dich am Bach Kerit, der in den Jordan fließt!4 Aus dem Bach kannst du trinken. Den Raben habe ich befohlen, dich dort zu versorgen.«5Da ging er los und tat, was der Herr befohlen hatte. Er ging und setzte sich an den Bach Kerit, der in den Jordan fließt. 6Morgens und abends brachten Raben ihm Brot und Fleisch. Trinken konnte er aus dem Bach. 7Aber nach einiger Zeit trocknete der Bach aus, denn es gab keinen Regen im Land.

Elija hilft einer Witwe in Sarepta

8Da kam das Wort des Herrn zu Elija: 9»Auf, geh nach Sarepta, das bei Sidon liegt! Bleib dort! Denn ich habe einer Witwe befohlen, dich dort zu versorgen.« 10Da machte sich Elija nach Sarepta auf. Als er an das Stadttor kam, war dort eine Witwe, die Holz auflas. Elija sprach sie an und sagte: »Hol mir doch bitte einen kleinen Krug mit Wasser. Ich möchte etwas trinken.« 11Als sie wegging, um es zu holen, rief er ihr nach: »Bring mir doch bitte auch ein Stück Brot mit.«1 2Da antwortete sie: »So gewiss der Herr, dein Gott, lebt! Ich habe überhaupt keine Vorräte mehr. Nur noch eine Handvoll Mehl ist im Krug und etwas Öl in der Kanne. Ich wollte gerade ein paar Hölzchen sammeln, wieder heimgehen und etwas aus den Resten backen. Mein Sohn und ich wollten noch einmal etwas essen und danach sterben.«

13Da sprach Elija: »Fürchte dich nicht! Geh nur und tu, was du gesagt hast. Aber mach zuerst für mich ein kleines Brot und bring es zu mir heraus. Danach kannst du für dich und deinem Sohn etwas backen.14Denn so spricht der Herr, der Gott Israels: Der Mehlkrug wird nicht leer werden, und die Ölkanne wird nicht versiegen. Das wird so bleiben bis zu dem Tag, an dem der Herr wieder Regen schenkt und es auf den Ackerboden regnen wird.«

15Sie ging los und tat, was Elija gesagt hatte. Und tatsächlich hatten sie alle drei zu essen: Elija, die Frau und ihr Sohn, Tag für Tag. 16Der Mehlkrug wurde nicht leer und die Ölkanne versiegte nicht. So hatte es der Herr durch Elija gesagt.

 

Liebe Gemeinde, 

ein Prophet möchte man wahrhaft nicht sein, so ein einsamer Streiter am Königshof, geächtet und verfolgt von Königin Isebel, so werden wir in anderen Elia-Geschichten noch hören. Unter Lebensgefahr hat Elia die Dürre anzukündigen. Auf sein persönliches Wort hin kommt diese Dürre über das Land, somit ist er auch noch persönlich mit haftbar für diese Katastrohe. Dann sehen wir, wie diese Dürre für ihn selbst lebensbedrohlich wird. Raben halten ihn am Bach Kerit am Leben. Von dort aber muss er wieder aufbrechen, als auch diese Lebensader noch versiegt. Nun soll er ausgerechnet eine Witwe, die mit ihrem Sohn selbst dem Hungertod nahe ist, um Wasser und Brot bitten. Was für eine Zumutung! 

 

Kennen Sie diese Texte, die man sowohl von oben nach unten als auch von unten nach oben lesen kann und die dann noch einmal einen neuen Sinn ergeben? 

So kann man auch die Geschichte von Elia noch einmal neu lesen vom Ende her - nicht als Geschichte der Zumutung, sondern als Geschichte der Bewahrung: Wie die Menschen im Lande litt auch Elia Hunger und Durst, aber er ist nicht ver-hungert und ist nicht ver-durstet. Gott schickte Raben zu ihm in die Wüste, die ihm Brot und sogar Fleisch brachten. Und selbstals der rettende Bach in der Wüste versiegte, musste Elia nicht aufgeben. In der Fremde, in Phönizien, im Land des Gottes Baal, traf er auf die phönizische Witwe, die ihm weiterhalf, obwohl sie selbst gar keine Anhängerin JHWEs war. Am Ende konnte Elia dann sogar ihren toten Sohn wieder auferwecken. Dies alles konnte so geschehen, weil Elia den Mut hatte, dem König das zu sagen, was es von Gott her zu sagen galt und was er aus voller Überzeugung für richtig hielt: Dass Gott allein die Ehre gebührt und keinen fremden Göttern neben ihm stehensollen. Für diese Überzeugung lebte Elia und war bereit, dafür auch eigene Opfer und Entbehrungen auf sich zu nehmen. So blieb er mit sich selbst und mit Gott im Reinen.

 

So kann man diese Geschichte auch lesen als Geschichte nicht nur der Bewahrung, sondern auch der Bewährung. Elia bleibt seinem Gott und sich selbst treu und Gott lässt ihn nie aus seiner Hand fallen. 

 

Unser Leben ist immer schon gedeutete Geschichte. Es gibt sicher Phasen, da kann und muss man auch mal so richtig über all die Zumutungen klagen, die das Leben gerade mit sich bringt. Und da darf man sich auch anderen mal zu-muten. Denn so ist christliches Miteinander gedacht, dass einer des anderen Last trage. Manche sind da viel zu vorsichtig: Nur niemandem zur Last fallen, alles mit sich selbst ausmachen. Doch, man darf auch mal anderen zur Last fallen: Der Elia geht zur der Witwe mit dem kleinen Sohn, die nur noch Mehl und Öl für ein einziges Brot hat, und bittet sie, dies zunächst für ihn, Elia, zuzubereiten. Und aus diesem merkwürdigen Anfang wird eine interkulturelle und religionsverbindende Freundschaft. Elia kann nun auch für sie und ihren Sohn sorgen. Er wohnt bei ihr und ist nicht mehr allein wie zuvor in der Wüste. Auch Jesus hat sich Menschen zugemutet: „Heute muss ich in deinem Hause zu Gast sein.“ 

 

Sich einem anderen zuzumuten, um Hilfe zu bitten, um ein Gespräch, einen Rat oder eine Meinung zu bitten, das kann enge Räume wieder öffnen. Und zwar nicht nur für den Hilfesuchenden, sondern auch für den, der jetzt mit im Boot ist, dem Vertrauen geschenkt wird, dem zugetraut wird, helfen zu können. Der Nachbar, den ich bitte, während des Urlaubs die Blumen zu gießen, mit dem komme ich darüber vielleicht seit langem mal wieder in ein Gespräch. Die Freundin, für die ich schon vieles getan habe, ist sehr glücklich, nun auch einmal etwas für mich tun zu können. Geschwister fühlen sich geehrt, dass sie ins Vertrauen gezogen werden. 

Unser Leben ist von Gott so gedacht, dass wir uns einander zumuten, in bestimmten Lebensphasen die Jungen den Alten und in anderen dann die Alten den Jungen. Und auch dies kann man als Zumutung lesen oder eben auch als Bereicherung deuten. 

So sagte letzte Woche eine Seniorin, dass sie ja als Oma zurzeit wirklich oft zum Babysitten eingespannt wird, was in ihrem Alter manchmal ziemlich anstrengend ist - und dann auch noch ganz spontan, wo sie eigentlich schon andere Pläne hatte. „Aber wenn der Kleine dann da ist,“ sagte sie, „macht der alles wieder wett.“

Oder ein anderer - obwohl selbst in einer Lebenskrise - nimmt er seine ganze Kraft zusammen und schaut, ob ein Angebot der Freiwilligen-Agentur passen könnte. Gerade, weil er nun selbst erlebt hat, wie Lebenskrisen sich anfühlen, möchte er anderen Menschen helfen.

 

Die Geschichte von Elia macht Mut, immer mal wieder verschiedene Leserichtungen und Deutungsmöglichkeiten auszuprobieren, wenn wir über unser Leben nachdenken. Die Geschichte von Elia macht Mut, in all den Zumutungen des Lebens sich selbst und Gott treu zu bleiben, ihm Spielraum in unserem Leben einzuräumen, offen zu bleiben für seine Möglichkeiten. Auch wenn alles aussichtslos erscheint, Gott will uns bewahren, will uns selbst im Tod noch bewahren. Er will uns stärken mit Brot und Wasser in aller Wüstennot. - Manchmal ganz anders als erwartet und durch ganz andere Menschen als eigentlich erwartet, in unserer Geschichte sogar durch Raben. „Fürchte dich nicht!“, sagt Elia zur Witwe, als er sie um ihr letztes Brot bittet. Fürchte dich nicht, tritt raus aus der Enge deiner Gedanken, klammer nicht, mach Platz für Gottes Blick auf dein Leben, mach Platz für seine Wunder. Mute dich mutig anderen auch einmal zu, das erhöht die Chance auf ein Wunder. Auch Gottes Propheten muten sich anderen zu.

Erstaunlich, aus welcher Zumutung schon am Ende noch eine Bereicherung werden konnte. Mit Gottes Hilfe wurden sie alle satt - und am Ende sammelten sie noch 12 Körbe mit Brocken.

 

 

Fürbitten

Gott, du Lebensfülle,

sei du das Brot, das den Hunger stillt - in allen Menschen, nicht nur in uns:

den Hunger nach Sättigung des Leibes,

den Hunger nach Gerechtigkeit,

den Hunger nach Frieden in konfliktreicher Zeit,

den Hunger nach Liebe in Einsamkeit,

den Hunger nach Freiheit dort, wo wir eingesperrt sind von außen oder innen.

Sei du das Brot, das den Hunger stillt.

 

Wir bitten dich für Namibia und andere Länder, die schwer von der Pandemie getroffen sind.

In vielen Regionen verschärfen Pandemie und der Klimawandel die angespannte Versorgungslage der Menschen. Gott, lass alle Menschen genug Brot und Wasser haben auf dieser Welt. 

Wir bitten dich, dass alle satt werden können und hilf uns, das unsere dazu zu tun.

 

Gott, lass uns trauen auf dein Wort: Du willst bewahren!

Mach unser Leben reich durch die Menschen, denen wir begegnen 

und bereichere du uns mit deinem Blick auf unser Leben, 

dass wir Krisen durchstehen und uns öffnen für die Wunder, die du tust.

 

Vater unser….

 


Diese Website verwendet Cookies. Wenn Sie die Webseite weiterhin nutzen, gehen wir von Ihrem Einverständnis aus. Mehr erfahren