Predigt zum Sonntag, 2. Januar 2022

Predigt zum 1. Sonntag nach Weihnachten über 1. Joh 1,1-4

von Pfarrerin Angelika Hagena

 

Liebe Gemeinde,

der heutige Predigttext nimmt uns mit auf eine Reise hinter die Krippe. Er setzt voraus, dass wir die Weihnachtskrippe noch vor Augen haben: Maria und Josef, die Hirten und das göttliche Kind im Stall zu Bethlehem. Und in der Ferne schon die Könige, die dem Stern folgen und zum Epiphaniasfest die Krippe erreichen werden.

Nun also heute eine Reise hinter die Krippe. Gottes Dahinter.

Was bedeutet das, was in der Krippe vor unser aller Augen liegt?  Es ist nicht nur ein Kind, es ist des Vaters ewigs Wort. Es ist das Wort des Lebens, aus dem alles Leben entsprungen ist. Und ist zugleich konkret, begreifbar und anfassbar, wie es die Krippenfiguren im Vordergrund sind.

Am besten stellen wir uns die Weihnachtskrippe vor, während wir den Predigttext gleich hören. Die Krippe: Sie besteht aus zwei Linien, die sich wie ein X kreuzen.

 

Die Beine der Krippe: Göttliches Wort, der Urgrund allen Seins und auf der anderen Seite: menschliches Dasein, so wie es ist auf Erden: gebrechlich, gefährdet und vergänglich. Beides fließt ineinander, vereint sich in der Krippe, in der Geburt des göttlichen Kindes. Und daraus entsteht eine unglaubliche Dynamik. Die Krippe, das X öffnet sich von seinem Mittelpunkt her wieder nach außen: Die Botschaft geht um die Welt, die Botschaft des Lebens, die Botschaft der Liebe und der Nähe Gottes im Menschen Jesus Christus.

 

Und während sie um die Welt geht, bekommt das göttliche Wort erneut Hand und Fuß: in Diakonie und Seelsorge, in menschlicher Fürsorge und Nächstenliebe. Überall auf der Welt stiftet das Fleisch gewordene Wort Gemeinschaft. Aus Gemeinschaft zwischen Mensch und Gott wird neue Gemeinschaft zwischen Mensch und Mensch. Was für eine Freude, was uns da in der Krippe widerfahren ist! Davon handelt der heutige Predigttext:

 

Verlesung des Predigttextes: 1.Joh 1,1-4

 

1 Was von Anfang an war, was wir gehört haben, was wir gesehen haben mit unsern Augen, was wir betrachtet haben und unsre Hände betastet haben, vom Wort des Lebens –

2 und das Leben ist erschienen, und wir haben gesehen und bezeugen und verkündigen euch das Leben, das ewig ist, das beim Vater war und uns erschienen ist –,

3 was wir gesehen und gehört haben, das verkündigen wir auch euch, damit auch ihr mit uns Gemeinschaft habt; und unsere Gemeinschaft ist mit dem Vater und mit seinem Sohn Jesus Christus.

4 Und dies schreiben wir, auf dass unsere Freude vollkommen sei.

 

Liebe Gemeinde,

„auf dass unsere Freude vollkommen sei“, so geht die Botschaft des Weihnachtsfestes nun um die Welt, auch in diesem neuen Jahr!

Verkündet zur Weihnacht in Engel- und in Hirtensprache, weitergesagt am Hofe der Weisen aus dem Morgenland, weitergesagt in großen Reden und stammelnden Worten, in kunstvollen Briefen und in kleinen Gesten, in Geschenken und geteilter Freude! Oder im gemeinsamen Schweigen vor der Krippe im Schein der Kerzen: Christ, der Retter ist da! Tod und Teufel sind besiegt. Gottes Liebe trägt den Sieg davon.

 

„Nun kann ich in Frieden sterben, denn meine Augen haben den Heiland gesehen“, so strahlt der alte Simeon im Tempel über das ganze Gesicht. Und die 84-jährige Prophetin Hanna lobsingt und preist Gott. Welche Freude hat Gott uns da bereitet. Freude, die dadurch lebendig wird, dass sie durch uns hindurch weiter auch zu anderen fließt, auf dass immer neue Gemeinschaft entsteht zwischen Gott und Mensch und zwischen Mensch und Mensch.

 

Denn sich allein freuen, das macht ja nicht wirklich Spaß. Natürlich kann man sich zu Weihnachten auch selbst etwas schenken, aber viel mehr freut man sich doch darüber, dass andere an einen denken. Über den beiden Beinen der Krippe, aus dem ewigen Wort des Vaters und der menschlichen Gestalt des Kindes, da eröffnet sich ein Raum für eine geistliche Gemeinschaft: wo wir einander erzählen, verkünden und dieser Freude immer wieder eine neue Gestalt unter uns geben. So bleibt das ewige Wort des Vaters lebendig unter uns Menschen.

Wir freuen uns mit dem alten Simeon und der Prophetin Hanna und staunen über die kindliche Begeisterung des gelehrten Verfassers des 1. Johannesbriefes.

So haben Menschen wie Hanna und Simeon, der Evangelist Lukas, unser Verfasser des 1. Johannesbriefes, so haben Menschen wie du und ich alle in ihren je eigenen Worten und Gesten die Botschaft des Weihnachtsfestes verkündigt.

 

Das Heil, das uns allen widerfahren, das soll nicht einfach in der Krippe liegen bleiben, das drängt hinaus in die Welt, die auf dieses Wort wartet.

Dazu ein gibt es einen Witz, der das gut veranschaulichen kann: Der Pfarrer einer kleinen Dorfgemeinde ist ein passionierter Golfspieler. Leider regnet es die ganze Woche lang ununterbrochen, und so kann er nicht Golf spielen. Doch dann, am Sonntagmorgen: Wunderschönes Wetter und - die Vikarin predigt heute! Die Kirchenglocken läuten schon zum Gottesdienst: verzwickte Lage: »Gott oder Golf?« Er schaut nochmals aus dem Fenster: Der Rasen glänzt und kein Wind. Einfach perfektes Golf-Wetter. Fünf Minuten später steht er auf dem Golfplatz, die Kappe tief ins Gesicht gezogen, und zielt auf das Loch. Spricht Jesus im Himmel zu Gott und fragt ihn: »Gott! Siehst Du diesen deinen Diener auf Erden?!? Was tut er am Tag des Herrn auf dem Golfplatz statt den Feiertag zu heiligen und sich um seine Gemeinde zu kümmern? Du musst ihn bestrafen!« »Keine Sorge, Jesus, er wird jetzt seine Bestrafung erhalten.« Der Pfarrer nimmt Schwung und … Hole in one!!!

Jesus ist entsetzt: »Vater, hast Du das gesehen! Und wo liegt da denn die Bestrafung?« Gott: »Jaja. Und wem soll er das jetzt erzählen?«

 

„Denn wes das Herz voll ist, des geht der Mund über", so soll es sein unter uns. Gute Botschaften erfreuen nur, wenn sie auch erzählt werden. So lasst uns auch in diesem neuen Jahr, so lasst uns inmitten der Pandemie und inmitten vieler Sorgen, die uns auch privat belasten, Gottes Liebe zu den Menschen bezeugen. Lasst uns die gute Botschaft des Weihnachtsfestes bezeugen mit Worten und Taten, mit Gesten, mit Leichtigkeit und Schwere, mit Zuwendung und mit Freude. So wird die Botschaft des Weihnachtsfestes uns geleiten auf allen Wegen durch dieses neue Jahr.

 

Auf diesen Weg ins neue Jahr möchte ich Sie zum Ende meiner Predigt schicken mit Gedanken von Hanns Dieter Hüsch. Wie die gute Botschaft unter uns ankommt, was sie besagt, und wie sie immer neu Gemeinschaft stiftet, das fasst Hanns Dieter Hüsch in wieder ganz andere Worte als Simeon, Lukas und Johannes. Er fasst es in seine dichterische Sprache, ein Segenswort für das neue Jahr:

 

„Im übrigen meine ich:

Möge uns der Herr weiterhin

Zu den Brunnen des Erbarmens führen

Zu den Gärten der Geduld

Und uns mit Großzügigkeitsgirlanden

Schmücken

Er möge uns weiterhin lehren

Das Kreuz als Krone zu tragen

Und darin nicht unsicher zu werden

Soll doch seine Liebe unsere Liebe sein

Er möge wie es auskommt in unser Herz eindringen

Um uns mit seinen Gedankengängen

Zu erfrischen

Uns auf Wege zu führen

Die wir bisher nicht betreten haben

Aus Angst und Unwissenheit darüber

Dass der Herr uns nämlich aufrechten Ganges

Fröhlich sehen will

Weil wir es dürfen

Und nicht nur dürfen sondern auch müssen

Wir müssen endlich damit beginnen

Das Zaghafte und Unterwürfige abzuschütteln

Denn wir sind Kinder Gottes: Gottes Kinder!

Und jeder soll es sehen und ganz erstaunt sein

Dass Gottes Kinder so leicht und fröhlich sein können

Und sagen: Donnerwetter

Jeder soll es sehen und jeder soll nach Hause laufen

Und sagen: er habe Gottes Kinder gesehen

Und die seien ungebrochen freundlich

Und heiter gewesen

Weil die Zukunft Jesus heiße

Und weil die Liebe alles überwindet

Und Himmel und Erde eins wären

Und Leben und Tod sich vermählen

Und der Mensch ein neuer Mensch werde

Durch Jesus Christus.

Amen.

 

Fürbitten

Wir danken dir, ewiger Gott, dass du mit uns redest.

Du hast dein Wort Mensch werden lassen,

damit wir es hören

und mit unseren unvollkommenen, menschlichen Worten weitersagen können.

Dazu stärke uns, Gott!

Schenke uns Geduld und Gelassenheit im Umgang miteinander.

Schenke uns in unserer Gemeinde Menschen,

die sich gerne einbringen und engagieren.

Lass uns auch in schwierigen Zeiten für unser Gemeindeleben den Mut nicht verlieren.

Lass uns da sein für alle, die uns brauchen.

Lass uns Mut zusprechen allen, die mit ihren Kräften am Ende sind.

Hilf uns, dass wir deine Freundlichkeit ausstrahlen und Licht für die Welt sind.

Mach dein Wort immer wieder aufs Neue lebendig unter uns,

dass es uns den rechten Weg durch schwierige Zeiten weist.

Wir bitten dich um Heilung für unsere Kranken und um Trost für die Sterbenden.

Sei du mit deinem Geist mitten unter uns in diesem neu begonnenen Jahr.

 

Vater unser….


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